Europa macht uns toleranter

Beim Europa-Abend der Europa-Union Main-Taunus in Kelkheim tauschten Jugendliche, Erwachsene und Senioren ihre Erfahrungen mit Europa aus und präsentierten ihre europäischen Projekte.

Jugendliche in diesen Krisenzeiten für das europäische Projekt zu begeistern, scheint für viele verlorene Liebesmühe zu sein. Ein anderes Bild zeichneten die Teilnehmer der „Talkrunde mit jungen Europäern“. Im Rahmen eines „Europa-Abends“ berichteten - vor vollbesetztem Haus -Jugendliche von ihren Erfahrungen mit der Europäischen Union. Thomas Mann, Europaabgeordneter und Kreisvorsitzender der EU MTK, gewann ihnen ein positives Urteil über Europa ab. Ihr Credo: „Europa ist für uns wichtig! Es gibt viel Neues zu entdecken in einem Kontinent ohne Reisebeschränkungen, in dem wir jenseits nationalstaatlicher Grenzen neue Freundschaften schließen und pflegen können. Europa macht uns toleranter!“ Im Europäischen Parlament hatten Annika, Jonny und Leonard zuvor Praktika gemacht und hinter die Kulissen der Volksvertreter geschaut. Bestätigt wurden ihre guten Eindrücke durch die Präsentation weiterer Jugendlicher. An der Kelkheimer Eichendorfschule hatten sie eine Reihe von europäischen Schüleraustauschen nach Spanien und Frankreich organisiert. „Man erhält einen intensiven Einblick in eine fremde Kultur, der den eigenen Horizont maßgeblich erweitert“, begeisterte sich eine Schülerin. Ihr Mitschüler fügte hinzu: „Das Tolle dabei ist, dass wir jederzeit und frei vom Zwang eines Visums wieder dahin können!“. Neben dem interkulturellen Austausch zählten die Schüler weitere Vorteile auf: „Wir konnten unser Spanisch deutlich verbessern und haben gelernt, mit ortsüblichen Sitten und Bräuchen umzugehen.“ Der Reiz, neue Sprachen kennenzulernen, besteht nicht nur auf Seiten der Jugend. Kelkheimer Senioren stellten mit ihrem Sprachenprojekt „Euro-Treffs“ ihr Interesse an anderen Kulturen unter Beweis. Sie treffen sich regelmäßig in verschiedenen Ortsteilen von Kelkheim. Willkommen sind alle, die sich an eine Spielregel halten: Es darf nur auf Spanisch, Französisch, Englisch oder in einer anderen europäischen Sprache kommuniziert werden – Deutsch ist tabu. Die Projektleiterin, Maria Thüül, hob den starken Neuzuwachs von Mitgliedern hervor und gab sich zuversichtlich: „Unser Kreis wird noch größer werden.“ Nicht nur Projekte von Jung und Alt wurden am Europa-Abend thematisiert, ebenso wissenschaftliche Thesen. Professor Christian Rieck, Erfinder von vielbeachteten Spieltheorien und Mitglied des Zukunftsinstituts Ruppertshain, stellte fest: "Wir können nicht ignorieren, dass wir in Europa Konkurrenz haben." Andererseits sei die Bereitschaft zur Kooperation wichtig. Sie müsse, so die Aufforderung des Professors, immer wieder eingefordert werden. Die Austausch-, Partnerschafts-, Schul- und Bürgerprojekte sowie die wissenschaftliche Präsentation machten den Abend zu einem kurzweiligen Vergnügen. Es wurde durch Sängerin Susanne Heidrich, Kulturförderpreisträgerin von Kelkheim, und ihre Begleitband musikalisch umrahmt. Bürgermeister Thomas Horn hatte nicht zu viel versprochen, als er ankündigte: "Europa ist omnipräsent in der großen Politik. Wir können Ihnen heute Europa im Kleinen bieten." Thomas Mann MdEP bedankte sich im Namen des Kreisverbandes der Europa-Union bei allen Beteiligten, die zu neuen Perspektiven motiviert hatten: „Es ist wichtig, dass sich die Bürger für mehr Europa einsetzen! Ich bin beeindruckt von der Vielfalt dieser Stadt. Sie leistet vorbildliche Beiträge zur Förderung der europäischen Identität!“

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