WETZLAR. Wie bezahlen wir in Zukunft – und welche Rolle kann dabei ein digitaler Euro spielen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich im Mai eine gut besuchte Informations- und Diskussionsveranstaltung in Wetzlar. Eingeladen hatten die Europa-Union Lahn-Dill, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und das Kulturamt der Stadt Wetzlar. Moderiert wurde der Abend von Michael Schubert von der Europa-Union Lahn-Dill.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa seine Unabhängigkeit im zunehmend digitalen Zahlungsverkehr stärken kann. Denn während Bargeld im Alltag an Bedeutung verliert, werden digitale Zahlungen heute in erheblichem Umfang über internationale und insbesondere außereuropäische Anbieter abgewickelt.
Der geplante digitale Euro soll hier eine europäische Alternative schaffen. Als öffentliches digitales Zahlungsmittel könnte er dazu beitragen, die Abhängigkeit von Anbietern wie PayPal oder Mastercard zu reduzieren und zugleich einen einheitlichen digitalen Zahlungsverkehr innerhalb des Euroraums zu ermöglichen.
Dabei soll der digitale Euro das Bargeld ausdrücklich nicht ersetzen, sondern ergänzen. Vorgesehen sind sowohl eine Online- als auch eine Offline-Nutzung. Gerade die Offline-Variante soll Zahlungen auch ohne Internetverbindung ermöglichen und dabei ein hohes Maß an Privatsphäre gewährleisten.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Akzeptanz eines digitalen Euros wesentlich davon abhängen wird, wie einfach, sicher und datenschutzfreundlich er ausgestaltet wird. Auch die Ausfallsicherheit und die Frage, wie gewährleistet werden kann, dass ältere oder weniger digital affine Menschen nicht ausgeschlossen werden, spielten eine wichtige Rolle.
Zugleich wurde der größere europapolitische Zusammenhang deutlich: Ein eigener digitaler Euro wäre nicht nur eine technische Neuerung beim Bezahlen. Er könnte auch einen Beitrag dazu leisten, Europas digitale und wirtschaftliche Souveränität zu stärken und eine eigene europäische Infrastruktur für den Zahlungsverkehr zu sichern.
Bis zu einer möglichen Einführung ist allerdings noch Zeit. Derzeit werden auf europäischer Ebene die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und einer anschließenden Pilot- und Vorbereitungsphase könnte der digitale Euro nach gegenwärtigem Stand frühestens um das Jahr 2030 eingeführt werden.
Moderator Michael Schubert griff im Verlauf des Abends zahlreiche Fragen aus dem Publikum auf und führte durch die Diskussion. Dabei zeigte sich das große Interesse an den ganz praktischen Auswirkungen: Wie funktioniert der digitale Euro im Alltag? Was geschieht mit dem Bargeld? Wer kann Zahlungsdaten einsehen? Und welchen konkreten Vorteil haben Bürgerinnen und Bürger von einem zusätzlichen digitalen Zahlungsmittel?
Die Veranstalter – Europa-Union Lahn-Dill, Hessische Landeszentrale für politische Bildung und Kulturamt der Stadt Wetzlar – machten mit der Veranstaltung deutlich, dass europäische Politik längst unmittelbar den Alltag der Menschen betrifft. Die Zukunft des Bezahlens ist dabei zugleich eine Frage darüber, wie unabhängig und handlungsfähig Europa in einer zunehmend digitalisierten Welt sein will.