15 Seiten Redeskript musste der ehemalige Schüler des Johanneum-Gymnasiums in Herborn in 10 Minuten vor einem geschulten Publikum mit mehr als 60 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kultur vorzutragen. Neben Europa-Staatsministerin Lucia Puttrich galt es auch den Europaabgeordneten Thomas Mann, gleichzeitig Landesvorsitzender der unabhängigen Bürgerinitiative Europa-Union, sowie örtliche Kommunalpolitiker zu überzeugen.
Der engagiert vorgetragene Beitrag Rehlings wurde von der unabhängigen Jury mit „Platz 1“ und einer Prämie in Höhe von 300 Euro ausgezeichnet. Ebenfalls 300 Euro für seinen Beitrag erhielt der Austauschstudent Igors Gubarev aus Lettland.
Den zweiten Höhepunkt des Abends bildete die Festrede, des Stellvertretenden Botschafters der Republik Litauens bei der Bundesrepublik Deutschland, Herr Gesandter-Botschaftsrat, Ramumas Misiulis, der eigens aus Berlin angereist war.
Das 1990 von der Sowjetunion unabhängig gewordene Land im Baltikum ist 2004 Mitglied der Europäischen Union geworben und gehört seit dem 01. Januar 2015 als 19. Mitglied der Eurozone an.
Misiulis berichtete von der Zuwendung seines Landes zum Westen und stellte dabei die erfolgreiche Reformpolitik Litauens aus eigener Anstrengung in den Vordergrund.
Im Bereich der Flüchtlingsarbeit betont Misiulis, dass der baltische Staat durchaus bereit sei, Flüchtlinge aufzunehmen. Das alleine löse das Problem nicht. „Im Gegenteil: Es werden noch mehr Flüchtlinge kommen“, so der Gesandte. Vielmehr gelte es, die Ursachen der Problematik zu bekämpfen.
In Hinblick auf den Ukraine-Konflikt rechnete der Diplomat scharf mit Russland ab, während er in der Griechenland-Krise weitreichende Strukturreformen der Hellenischen Republik forderte. Der Mathematiker Ramunas Misuilis stellte heraus „Während man in Griechenland eine Rente in Höhe von 63% des letzten Gehaltes erhält, sind es in Litauen 36%. Das macht es dem litauischen Volk schwer, Verständnis für Proteste der Griechen gegen Strukturreformen aufzubringen!“ Dennoch sei Litauen bereit, über ein drittes Hilfspaket zu verhandeln.
Der Gesandte schloss mit einem leidenschaftlichen Appell: „Die Staaten und Regierungen müssen nationale Erwägungen zurückstellen und stärker gemeinsam vorangehen!“
Die Europa-Union Hessen ist eine 1946 gegründete Bewegung, die sich überparteilich, aber politisch für den europäischen Einigungsprozess einsetzt, europäische Politik bürgernah erklärt und für Völkerverständigung wirbt. Landesweit zählt der Verein knapp 2000 Mitglieder.